“Mensch, is das rhööön hier” – HIBU 2010

4. Mai 2010

Samstag  morgen, 1. Mai, 10 Uhr – Die Motorräder waren bereits vorgepackt, die letzten notwendigen Dinge wurden verstaut und das Gepäck am Zweirad verzurrt. Der Himmel ist blau-weiß und entgegen allen Wetterprognosen blinzelte auch die Sonne zwischen den Wolken. Am Vorabend wurde abgemacht: Wir fahren, außer es schüttet so derbe, dass in der Formel 1 Bernd Mayländer mit seinem Safty-Car raus müsste. Abfahrbereit gegen 10.30 Uhr sind wir noch einmal in uns gefahren – „Haben wir auch alles dabei…??“, „Hast du deinen BU Ausweis?“… diese Frage traf. Irgendwo musste diese blaue Karte doch sein. Auf jeden Fall war sie nicht in meinem Portmonee und somit wurde 30 Minuten lang die Bude auf den Kopf gestellt – leider erfolglos. Somit war mir klar: „Dieses Jahr muss du mit 13,00 € Lehrgeld rechnen.“...

Naturschutzgebiet "Lange Rhön"

...Um kurz nach elf haben wir dann die vollgetankten Motorräder gestartet. Da uns bis Freitag spät Nachmittag die Arbeitswelt gefangen hatte, konnten wir dieses Jahr leider nur von Samstag auf Sonntag nach Hildburghausen reisen. Frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ sind wir über die „Rhön“ nach Hibu gefahren. Unsere Hinreise hat sich daher auf fast 400 km gestreckt. Der höchste Punkt war knapp 900m über dem Meeresspiegel, mitten auf der Hoch-Rhön Straße. Kurz vorher hatten wir das Glück, am Straßenrand einen Feiertags-Griller zu treffen, welcher uns die leckeren Thüringer Roasters als Stärkung verkaufte. Somit konnten wir frisch gestärkt in das Naturschutzgebiet der Rhön eindringen. Nachdem wir vor zwei Jahren in der Eifel auf einer der Pausen das Motto „Eifel good“ (I feel good) kreiert haben, kam uns nun nur ein Kommentar in den Sinn: „Ist das rhööön hier!“. Leider entriss und Bad Neustadt a. d. S. der Rhön und wir peilten das nicht weit entfernte Hildburghausen an. Auf der letzten Etappe passierten wir noch den unschönen Schauplatz eines Wildunfalls, der sich schon vom Weiten durch auf der Straße rumlaufende, gelbe und orange Warnwesten andeutete. Bis auf das Reh gab es glücklicherweise keine Verletzten.

Nach fünfeinhalb Stunden erreichten wir das Gelände und wie erwartet musste ich erst mal das Lehrgeld abdrückten, bekam dafür aber ein schönes grünes Bändchen. Darauf über den Platz zum angestammten Zeltrevier, um die Nylon-Hütte aufbauen. Viele bekannte Gesichter, die größtenteils schon am Vortag angereist waren. Die meisten haben es sich den Nachmittag über gemütlich auf dem Zeltplatz gemacht, andere kommen gerade erst augenreibend aus ihren Zelten gekrochen, vereinzelt kehrten auch kleine Trüppchen Ausfahrer zurück. Leider haben wir die Biker-Spiele dieses Jahr nicht sehen können, wir bekamen aber schnell erzählt, was wir verpassten. Nach der ersten Gesprächsrunde, viele hat man ja schon ein paar Monate nicht gesehen, sind wir dann hoch auf das Festivalgelände. Der Weg bis zum ersehnten Fresslager steckt sich ja wie bekannt, da auf dem Weg die Begrüßungs-Endorphine Saltos schlagen, zudem ist vor dem Eingang auch erst mal der Hibu Patch 2010 abzuholen.

Die Bike-Show und Pokalverleihung fanden wieder im Hellen statt, was ich irgendwie unspektakulärer finde, als die Atmosphäre am späteren Abend. Allerdings stellte sich raus, dass die eben erwähnte Atmosphäre auch um 21.30 Uhr, bei der Wahl zur Miss Hibu, ausblieb. Stan Webb groovte danach eine gute Show mit seiner tollen Stimme, der Mitternachtsstrip den heiß her und „The Killer Guitar from Texas“, Lance Lopez, rockte richtig die Bühne mit seinem Sound. Das Motorengekreische vom Platz untermalte wunderbar die trockene Nacht. Bis 4 Uhr morgens tummelte sich dann der harte Kreis um das Lagerfeuer und genoss den Kurzurlaub bis aufs Letzte – das war gut!

Trusetaler Wasserfall

Früh morgens um acht, als einige schon aufgebrochen waren, startete auch für uns die übliche Heimfahrt-Prozedur. Aufstehen, wach werden, klar kommen, Frühstücken, zusammenpacken, losfahren. Um 10 Uhr wurden die Krads von uns geweckt und begleiteten uns gen Heimat. Querfeldein und vor allem die großen Städte meidend, wollten wir nach Ostwestfalen zurück. Also erst mal schnell nach Suhl, dann über den Rennsteig, vorbei am großen Trusetaler Wasserfall. Nichtsahnend beschloss ein Bulli-Fahrer in einem kleinen Örtchen mir die Vorfahrt zu nehmen. Dank der chilligen Reisegeschwindigkeit von ca. 40 km/h und Reaktion verlief alles gut - ich stand nach wenigen Metern Angesicht zu Angesicht mit dem träumenden Blindfisch. Das eigentliche Unglück war, dass durch die Vollbremsung meine Hauptsicherung durchgeknallte. (Nein, ich bin nicht ausgerastet, ich rede von diesem elektrischen Ding, welches wir alle im Mopped haben.. ;-). Also kurz Packtaschen runter, Sicherung tauschen, und noch eine Runde wundern warum überhaupt.

Auf der B400 rollte sich meine analoge Kilometeranzeige auf 4000. Dank der Weitsicht asiatischer Techniker im Jahre 1987 kann ich meine GPZ für fast neuwertig verkaufen – die sechste (bzw. erste) Stelle wird unterschlagen.

Sicherung durch 🙁

Als Belohnung sozusagen bekamen wir auch noch unsere Safty-Car Phase. Zwischen Eisenach und Kassel erweiterte sich das Volumen der grade ankommenden Regentropfen gefühlt auf die größte des Inhalts eines Wassereimers. Gut, dass wir vorher in die Regen-Kleidung geschlüpft sind.

Die Landstraßen-Rückroute wurde kurzerhand abgebrochen und auf die A44 umgesiedelt. Leider verlor auf der Autobahn bei 130 die Regenkleidung an den Stellen Jacke/Helm, Handschuh/Jacke, Jacke/Hose, Hose/Stiefel an Wirkung und es wurde feucht-fröhlich. Auf dem Endspurt der A33 ist dann auch noch die XJ auf eine achtel Millionen Kilometer plus 1000 gehüpft. Zusammen haben die Motorräder nun mehr als 230000 km runter und sind 43 Jahre alt. Treue Seelen aus Stahl und Alu-Guss!

Danke an alle, die das Treffen möglich gemacht haben, da waren, oder gerne da gewesen wären!
Bis nächstes Jahr zum ersten kompletten Wochenende im Mai! RIDE FREE!

Biker Union Saisoneröffnung 2010 in Hildburghausen from Heiko813 on Vimeo.