Wurzeltour 2018 – Südtirol – Das Pässe-Paradies

4. Juni 2018

Hier die ersten Updates zum diesjährigen Motorradurlaub:

Karte - Bericht - Fotos - Daten (ZDF) - Highlights


Die Karte:


Der Bericht:

Wurzeltour 2018
Das Pässe Paradies

Wo vor 17 Jahren alles begann

Auf unserer letztjährigen Tour „Giro di Aosta 2017“ besprachen wir am letzten Abend auf dem Balkon – Zitat:“ Aber beim nächstes Mal aber wieder mit Zentralem Hotel. Ein paar Tage ohne Koffer rumbolzen. Hanni hat bestimmt Zimmer frei und in den Dolomiten waren wir lange nicht mehr.“

Ergo: Der Plan war festgelegt. Vieles abkurven was wir auf unserer allerersten Tour mit seiner 125er gefahren sind. Jetzt geht es um die Ausführung.

Diesmal war es aber recht simpel. Zeitraum festlegen, Hanni anrufen, Zimmer buchen, Kofferpacken und abfahren. Den Trailer haben wir wieder von Angelika bekommen und da wir keine Platzprobleme haben: „Wir können sogar das Schachbrett mitnehmen.“, sagte Cappo. „Die Kaffeemaschine bleibt aber hier!“, konterte ich.

Tag 1: 24.05.2018 (802 km)

Der langersehnte Abfahrtstag war endlich da. Ab auf die Bahn und los. Durch plaudern und quatschen vergeht die Zeit wie im Flug. Wir zählten verloren gegangene Außenspiegel die am Autobahnrand lagen (auf dem Hinweg waren es 7 Stück), 2 fette Regenschauer und der Beifahrer scannte sich durch die Radiosender.

Alles lief super, bis kurz vor Memmingen der Trailer qualmte.Sind wir das?“, fragte Cappo, der grade am Steuer saß. „Jau! Mist!“, mein Kommentar. Wir waren, dem Herrn sei es gepriesen und gepfiffen, direkt auf einem Fahrstreifen zum Autobahnparkplatz. Oje, der Achsschenkel ist abgebrochen! Das Rad steht schief  und schleift am Radkasten. Was nun? „Erst mal das Rad abbauen und dann sehen wir mal und überlegen kühl!“

Es war ja gar nicht warm draußen – nöö – überhaupt nicht. Der Schweiß lief uns sonst wo  lang. „Jetzt mach ma kühl überlegen!“, grinste Cappo bei seiner Aussage.

Ok. Der Rest hatte nix abbekommen. Cappo googelte nach einer Anhängerreparaturwerkstatt in der Nähe und ich nach Erfahrungen und der Strafe wenn wir mit 3 anstatt 4 Rädern fahren. Wir tauschten unsere Erkenntnisse aus und testeten eine vorsichtige Weiterfahrt.
Alles ging bis zum Ziel gut mit ordentlichem Muffensausen wegen der Polizei und  Verspätung wegen der vorsichtigen Fahrweise.

Tag2: 25.05.2018 (185 km)

Hanni und Klaus gaben uns Händlertipps wegen einer Anhängerreparatur die aber erfolglos im Sande verliefen. Einen halben Tag sind wir mit dem Trailer durch die Gegend gefahren – ohne Erfolg.

Ab Mittag rüsteten wir uns zu unserer ersten Tour – ohne Koffer am Bock. „Geeiillll !“, brüllte Cappo. „Eben noch Wasser und Apfelsaft für die Tour kaufen und Luft in den Reifen prüfen.“, sagte ich. Tanke und Getränkehändler Martin waren gleich neben an. „50ct für Luft und der Liter Sprit 1,69€.“, wunderte ich mich. Dabei war er noch der Günstigste.  An anderen Tankstellen wurde sogar 1,79€ gefordert.

Unsere Route für heute: Latzfons, Klauserner Hütte, die liegt auf 1960m Höhe, aber nur bis zum Parkplatz, laufen wollten wir nicht, die 3,5km zu Fuß da hoch. Weiter zur Käserei Jochalm vorbei am Latzfonser Kreuz und das alles in den Sarntaler Alpen. Weiter über Barbian, Lengmoos, Klobenstein, Wolfgruben und Oberbozen. Die Strecke nennen wir ab jetzt „zum Rittenweg“. Wir fahren sie schon seit Jahren. Warum? Würde ich hier oben wohnen, würde ich glatt auf 2 Tage Urlaub verzichten. So schön ist das hier oben und ruhig. Sie führt durch kleine Orte am Kamm entlang mit wunderbarer Aussicht auf das Eissacktal. Fernab von der viel befahrenen SS12. Ein oder der Kuckuck ist wieder bei uns wie auf der Kuckuckstour.“, sagte Cappo. In Klobenstein gönnten wir uns 2 doppelte Espresso und beobachteten eine Hochzeitsfeier mit zünftiger Musik. „Komm, die Erdpyramiden schauen wir uns jetzt auch noch an.“, schlug Cappo vor und ich willigte ein. Leider mussten wir dazu etwas wandern, bei 28° und in Motorradklamotten. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Wir bügelten von Oberbozen die Kehren nach Bozen runter, eine wahre Freude weil kein Verkehr. Welch eine Freude, das es in das Eggental auch so blieb und weiter über Steinegg, wo wir irgendwo auf der Sp132 am Wegesrand ein „Fenster“ sahen. „Stopp!“, und ein wildes Gehupe kam von Cappo. Wir drehten um. „Eine Dolomitenschule, mit Stühle und live Tafel.“, grinste Cappo. „Es sieht echt famos aus was die hier so inne Natur stellen.“ Mehr viel mir nicht dazu ein. 3 Reihen Stühle á 6 Stück und durch den Fensterrahmen sahen wir bequem auf den Rosengarten und eine Beschilderungstafel bezeichnete die einzelnen Berggipfel. Gestellt wurde das ganze vom Sternendorf – Eggental. Wir saßen eine ganze Weile dort und staunten.

Aber es ging auf den Abend zu und wir wollten langsam Heimwärts. Weiter Richtung Brie, stellenweise mit 24% Steigung und scharfen Kehren – Völs – Seis, wo wir ganz nah am Schlern waren über Kastelruth, wo die Aicha Ritterfestspiele in der Vorbereitung waren, nach Klausen. Zwischendurch machte die Batterie von Cappos Kawa schlapp. „Ha, gut das ich ein Ladegerät mit ein gepackt habe.“, sagte Cappo am Ziel. „Im Mittel haben wir heute schöne 182 km abgespult“ fügte ich hin zu. Im Mittel: Seine Kawa macht auf 185km lt. Sportstracker 10km weniger als meine XJ. Aber daran haben wir uns schon gewöhnt. Batterie wurde ausgebaut, an das Ladegerät angeschlossen und der Abend ging gemütlich zu Ende.

Beim Abendessen tüftelten wir über eine Kurvenzähler App, wie man sowas wohl mit einem Smartphone bewerkstelligen könnte. „Hat sich erledigt, gibt es schon, sogar kostenlos!“, sagte Cappo und wir luden beide die „Kurvenzähler-Appherunter. „Mal testen!  ist unser Kommentar.

Tag 3: 26.05.2018 (244 km)

Batterie eingebaut, Kabel und Verbindungen gecheckt, und um 10:30 Uhr endlich wieder los, nachdem wir Martin wieder von etwas Saft und Wasser erlöst haben.

Strecke heute: Gufidaun – Lajen – St.Peter – St. Ulrich….. Die Kurvenzähler App zählte bei uns beiden unterschiedlich auf 13 km (48:42). „Wir behalten das mal im Auge.“, sagte Cappo „Wir sind nämlich schon viel mehr als 48 Kurven gefahren.“

Panidersattel (1437m) hier mussten wir erst mal eine Runde auf furchtbar breiten Schaukeln schaukeln. St. Michael – Kastelruth – Seiseralm. Verbotener Weise fuhren wir über die Seiseralm, obwohl sie nur für öffentliche Verkehrsmittel zugelassen ist. „No Risk, no Fun“, war das Motto. Leider hatte die Sache einen Nachteil: Eine kilometerlange Strecke über den Berg auf Schotter (Anmerkung von Cappo: Der alljährliche Schotter hat mittlerweile schon Tradition!) durch einen Wald mit allen Schikanen. Ohne Motor gings talwärts wo wir ein paar Wanderer wieder wach machten 🙂 Wir kamen in Unterwasser zwischen St. Ulrich und St. Christina wieder raus. Eine tolle Abkürzung.

Weiter über Wolkenstein. An der Kreuzung wo es links zum Sellajoch und rechts zum Grödnerjoch hoch geht, entschied das Schnick-Schnack-Schnuck-Spiel zugunsten des Grödnerjochs. Es war absolut kein Verkehr und die Strecke gehörte uns ganz allein. Der Weg führte uns weiter zum Valparolapass (2192m) es war mittlerweile 15:00 Uhr und 17° warm oder kühl – je nachdem wie man es sieht. Im Tal sind es weit über 28°. Weiter auf dieser Tour fuhren wir über den Falzaregopass (2105m) - (ohne anzuhalten), Passo di Giau (2236m) bei 13° und es fing an zu tröpfeln. Nach der 10 minütigen Zigarettenpause zählte ich ganze 20 Regentropfen auf meiner Sitzbank. Ein Unwetter droht.

 

Es war immer noch kaum Verkehr auf den Straßen und wir nahmen jetzt den Passo Pordoi (2240m) aufs Korn. Zeit: 17:30 Uhr bei 12°. „Wir haben ja unser Zimmer schon, ergo können wir noch n paar Kehren abspulen.“ – „Jau“, sagte ichLass gehen Kapelle, ich hab noch richtig Bock drauf. Ist ja nix los auf der Straße.“

Weiter zum Sella Joch (2240m) – 18:10 Uhr – 12°- nix los. „ Ich weiß noch wie ich auf dem Rückweg unserer Karawankenroute hier lang am Fluchen war, weil hier die Busse, Radfahrer, Wohnmobile und PKWs alles zu stauten….“, erinnerte ich mich. Und heute Abend? Nix, rein gar nix. Wie schön für uns.

Der Rückweg verlief gemütlich über Wolkenstein, Lajen und Gufidaun mit bester Aussicht zurück zum Hotel. Gegen 20:00 Uhr waren wir von unserer Tagestour zurück. Auf 244km hatten wir wieder 10km Unterschied auf dem Tacho. Beim Abendessen verglichen wir die Kurvenzähler App. „Mir ist aufgefallen, dass auf unserer heutigen Tour an jeder Ecke ein Rettungswagen steht.“ „Bestimmt reine Vorsichtsmaßnahme.“ Für morgen nehmen wir uns was anderes vor, es soll nämlich schütten.

Tag 4: 27.05.2018 (8,5 km)

Der Wetterbericht gab nichts Schönes von sich und die Wetter App auch nicht. Regen, Regen, Regen.

Wir machten also einen Spaziergang zum Kloster Säben hoch.
Spaziergang???

Das war eine Kletterei bei der die Zigaretten der letzten 5 Jahre rauskamen. Hiesige behaupten den Aufstieg in einer halben Stunde zu schaffen. Wie lange wir brauchten verrate ich nicht. Regen bekamen wir auch ab, aber nicht viel. Wir konnten uns im Kloster unterstellen.

Auf dem Rückweg in die Stadt gönnten wir uns ein leckeres Eis und nen doppelten Espresso. Den Aussichtspunkt in der Stadt besuchten wir auch noch. Der Paterhügel - auch Kapuzinerberg - erhebt sich über dem Festplatz im Kapuzinergarten. Der Aufgang beginnt neben dem Kulturhaus "Albrecht Dürer", unterhalb der Loretokirche. Ein Aufstieg lohnt sich, da der Blick auf die Stadt wunderschön ist.

Das Wetter verschlechterte sich und wir beschlossen das Formel 1 Rennen live  im Fernsehen anzuschauen. Ohne Werbung auf ORF. Anschließend spielten wir ein paar Runden Schach auf der überdachten Terrasse des Hotels, gingen in den Torgglkeller lecker Abendessen und abends erfreute ich mich an dem Tatortkrimi aus Münster.

Tag5: 28.05.2018 (295 km)

Als wir Hanni und Klaus vom vorherigen Tag erzählten und wie lange wir zum Kloster hoch gebraucht haben, hatte ich meinen Ruf weg: „Alter Mann“ Allerdings mit einem freundlichen Lächeln. Nach dem Frühstück, welches dort immer ausgezeichnet ist, machten wir uns um 9:30 Uhr auf den Weg zum Dreifaltigkeitsmarkt. Ne Stunde später gings auf Tour.

Heute schaue ich der Kurvenzähler App mal genauer auf die Finger. Mal sehen wo die Macken sind.“, sagte Cappo beim Rüsten.

Erstes Ziel für heute: Zanseralm – durch das Vilnößtal. Tja, die war allerdings geschlossen aber der Weg dorthin war allemal schön und die Kurven App zählte alles Mögliche aber nicht korrekt die Kurven. „Ich habe mal vom letzten Halt bis jetzt mit gezählt. Es waren 112 Kurven. Die App zählt nur 68.“, sagte Cappo beim Halt an der Alm. „Ich lass das Ding mal laufen und wir vergleichen heute Abend mal was bei rausgekommen ist. Ich habe jetzt schon viel weniger Zählungen als du.“, sagte ich abschließend zu dem Thema.

Ein älterer Herr kam auf uns zu und erzählte uns, dass es in diesem Frühjahr schon 5 tote Motorradfahrer gegeben hat. Ich verkniff es mir ihm zu sagen das die Zahl bei uns um ein X-faches höher liegt.

Also zurück  und ab über das Würzjoch“, sagte ich.
Wir kamen nur bis St. Peter. Motorradfahrer die uns entgegen kamen winkten ab. „ Das Würzjoch ist wegen einer unfahrbaren Baustelle gesperrt!“, riefen sie uns zu. „Sch…..“ unserer Kommentar.

Also ganz zurück und über Brixen hoch. Auf dem Weg zum Joch fing es an zu regnen und wir sind ohne Regenklamotten unterwegs….  Es wurde immer schlimmer und hielten an der Edelweißhütte (1860m) zu unterstellen, abwarten und Espresso trinken. Es saßen schon andere Motorradfahrer auf der überdachten Terrasse mit denen wir natürlich auch ins Gespräch kamen. Woher, Wohin und wie lange … etc. Cappo schaute auf die Speisekarte und sagte: „Ey!!! Hier gibt es Kasnockerln und Spinatnockerln. Ich bestelle mir welche“. Sie schmeckten im Suuuuper. Essen, zahlen, von den anderen verabschieden. Die Pause dauerte eine Stunde. Der Regen hat aufgehört.

Endlich das Würzjoch (1987m) erreicht hielten wir uns aber auch nicht lange dort auf. Es war zu kühl. Eine Zigarettenlänge lang einen Smalltalk mit einem Italienischen Motorradfahrer halten und weiter geht’s zum Furkelpass (1789m). Über St. Martin in Thurn, St. Vigil. Bei einer Espressopause mit Kuchen (wegen Regen), an einem Berggasthof in bester Lage auf dem Tesselberg mit Ausblick auf Bruneck, lachten wir über ein Schild „Konsumentation“ und über die Kurvenzähler App.

Über SS621 erreichten wir das Raintal und den Tipp von Quincy die Reinbach Wasserfallbar und den Reinbachfällen. Von unserer Tour „Giro di Aosta“ haben wir mitgenommen, das „Täler“ nicht immer unten sind und die Auffahrten bis zum Ende der Sackgassen genauso gut wie Pässe sein können. Das Raintal mit seinen Wasserfällen ist so eine Empfehlung von uns. Das Knuttental (verlängerter Fußweg des Raintals) sind wir nicht gelaufen. Zu weit und zu warm. Wirklich klasse, wie sich der kleine Bach aus dem Knuttental durch das Tal zum reißenden Fluß entwickelt.

Also zurück und ab ins Ahrntal.“ sagte Cappo. Ich hinterher… langweilig… „Dieses Tal reizt nicht so ….“  sagte ich am Ende und wir fuhren noch das Mühlenwaldertal hoch. Als wir oben angekommen waren und vor einer geschlossenen Schranke standen. „Da kann man mit ‘n Mopped nebenher fahren, da hinten irgendwo muss noch der Neves Stausee liegen.“, bemerkte Cappo. „Na denn… FFN!“ war mein Kommentar dazu und wir fuhren an der Schranke vorbei. Der Weg zum Stausee war nicht weit, geteert, teils steil, sehr eng und Kurven drin so das man vor jedem Bieg hupen möchte. Wir waren ganz allein hier oben und es war kühl und mittlerweile 20:00 Uhr. „Eine schöne Strecke hier hoch.“  Darüber waren wir uns einig.

Komm, wir fahren noch die Sonnenstraße (Sp40) entlang, wer weiß wann wir wieder hierher kommen, auch wenn es langsam dunkel wird.“ schlug ich vor. Es kam ein kurzes, knappes „Klaro“. Das Pfunderer Tal lässt sich wuuuunderbar fahren und die Aussicht ist phänomenal. Ab Brixen wurde es dunkel und wir hatten es nicht mehr weit. Die Sonne ging rechts hinterm Berg unter und parallel dazu kam der Vollmond links hinterm Berg hervor und begleitete uns heim.

„365 zu 348km – gewonnen 😉 17 km Unterschied zwischen den Moppeds.“, sagte ich zu Cappo kurz vorm Abendessen als ich unsere ZDF ins reine schrieb. „Beim Kurvenzähler bin ich auf Platz 7 und du auf Platz 12 – Gewonnen 🙂grinste Cappo zurück. Tja … ausgleichende Gerechtigkeit.

Tag  6: 29.05.2018 (341 km)

Beim Frühstück sagte Cappo: „Heute Abend bestelle ich mir Klosterburger zum Abendbrot.“ „Ok, warum nicht. Nur müssen wir bis spätestens 20:30 Uhr wieder hier sein. Bis 21:00 Uhr ist die Küche auf – sonst gibt’s Pizza.“, sagte ich.

Abfahrt über unsere „zum Rittenweg“ ins Sarntal. In Barbian durch die Wolkendecke durch. Auf zum Penser Joch (2211m). Es ist 12:35 Uhr und 12° warm und trocken. „Wir nehmen uns das Pflerschtal vor.“,  sagte Cappo. „Es war eine öde Gurkerei. Lohnt sich nicht!“ ist mein Kommentar zu dem Tal. Wir nahmen, wie immer, 2 doppelte Espresso zu uns und peilten das Ziel Pfitschtal an.
Das Pfitschtal ist schön zu fahren allerdings am Schluss nicht erwähnenswert. Wir schmückten bei einer Pause am Blumenfeld die Moppeds 😀

„Nun gut, nehmen wir uns noch das Ridnauen Tal vor und schauen bei den MC Falken mal rein.“ schlug ich vor. Die Falken waren nicht da, am Clubhaus wurde gebaut und die Bauarbeiter waren alles andere als freundlich.

„Komm, weiter zum Jaufenpass! “drängte ich. Auf dem Jaufenpass (2094m) war es kalt, nebelig und schon 17:00 Uhr. 2 doppelte Espresso und weiter. Auf den Weg ins Passeier Tal wurde es immer wärmer. An einem Skywalk machten wir eine Pause, bastelten uns 2 Papierflieger und ließen sie segeln. Einer kam nicht weit. 3 US Boys mit Holiday in Europe for 3 Weeks kamen dazu. Cappo mit perfekten English unterhielt sich mindestens 3 Zigarettenlängen mit Ihnen. Länderaustausch. Ich hörte nur zu. Wir bogen in Meran2000 ab über Vöran, Mölten nach Terlan. Leute… eine Super Schauinslandstrecke. Meran und Eppan von oben. Toll.
Bei einer Guckpause mit Rauchen beschlossen wir, dass wenn wir ins Ultental fahren, hier lang fahren wollen, natürlich von der anderen Seite her, über Hafling.
„Alter --- Jetzt aber Gas. Runter auf die Schnellstraße nach Bozen und dann auf die Bahn. Sonst gibt’s heute keinen Klosterburger.", drängte ich denn es war schon verdammt spät und doch sehr schön.

Wir waren zwar um 20:30 Uhr zurück, dennoch zu spät für dich Küche da wir uns verquatschten. Also gab es Pizza. „Morgen Ultental und Brezenpass.“, planten wir beim Essen. Die KM Unterschiede kennt Ihr ja.

Tag 7: 30.05.2018 (334 km)

„Na Jungs? Wo geht’s heute hin?“, fragte Hanni interessiert. „Über Hafling ins Ultental.“, kam unsere Antwort. „Da hab ich was für Euch. Da gibt es jetzt eine ganz neue Strecke von St. Pankraz durch neuen Tunnel und dann kommt ihr auf dem Gampenjoch wieder raus. Und dann könnt ihr weiter fahren auf den Mendelpass und könnt am Kalterer See hinfahren.“ Wir schauten uns an. „Ganz neue Strecke? Das sind wir doch schon…. 2003, da war deine Kawa noch weiß/rot und wir haben damals die Eishöhlen in Eppan gesucht und gefunden.“ Wir grinsten uns an und als uns Klaus auch noch von der ganz neuen Strecke berichtete, mussten wir uns fast auf die Zunge beißen um nicht los zu grölen.

Also los, natürlich wieder über unsere „zum Rittenweg“ Straße. Das Wetter ist herrlich. Ab ins Sarntal Richtung Bozen – Genesien. Was für schöne Aussichten. Was für tolle Kurven. Auch hier würde ich auf 2 Tage Urlaub verzichten...

Über Mölten wieder nach Terlan (wie gestern - diesmal aber mit Zwangstopp wegen Bienenstich) dann aber durch die Apfelplantagen Richtung Lana und es war furchtbar warm. Gut das wir bei Martin wieder alles aufgefüllt haben. Weiter über kurvige Straßen Richtung Ultental. Bis auf die große Baustelle und den vielen Verkehr bis St. Nicolaus war alles Top. Am Ende des Ultentals sagte ich: “Damals, als wir Urlaub auf dem Bauernhof im Schnalstal im Rainhof machten, waren wir auch mal hier.“, Cappo konnte sich nicht erinnern. Wir gurkten das Tal abwärts und bogen nach Profeis ab. Klar die alte Strecke, die wir schon ein paarmal gefahren sind, und die jetzt ganz neu ist. Eggenberg, Laurentino -Brezenjoch (1397m) - 18° und es ist 16:20 Uhr. Ein Stück weiter ist unsere „Karibiklandschaft“. 2003 war es noch ein Loch mit Folie ausgelegt. Au man… ist das lange her… Heute ist die Wasserstelle voll mit dicken und kleinen Fischen und Mioooonen von Kaulquappen.

Über Castellfondo nach Fondo und den Mendelpass runter. Top Asphalt (oder Teer), Topeben, keine Wellen und Grip zum Ständer abschrauben. Alles was sich uns in den Weg stellte, würde gnadenlos versägt.  Das waren einige. „Ihr fahrt hier wohl den ganzen Tag rauf und runter- was?“, fragte einer unten an der Sammelkreuzung. „Nö, wir sind nur auf der Durchreise auf den Weg zum Hotel in Klausen.“, sagte Cappo und wir fuhren weiter zum Kalterersee.
„Oje, das sieht nach Regen aus“ – „Dann fahren wir in die andere Richtung“, sagte ich.

Kaltern, Montan, Aldein, Deutschnofen, Welschnofen – Nigerpass (1690m) 19:00 Uhr und 12° und absolut zweinsam unterwegs. Es ist nass, die Straße ist miserabel und wir fahren über Tschamin, Obereicha, Telfen, Waidbruck zurück nach Klausen. Absolut kein Verkehr auf der Strecke. Frühzeitig zurück gab es dann auch endlich Klosterburger.

Tag 8: 31.05.2018 (357 km)

„Heute keulen wir nur über Pässe, so viele wie möglich und nicht nur die bekanntesten.“, eine gute Entscheidung von Cappo der ich nicht widersprach. Wir haben keine Route festgemacht. Visier runter und los.

Aber: erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt:
Über Lajen hoch zum Sellajoch (2244m) 11:30 14° 41km von Klausen. Ein Verkehr von Moppeds zum Erbrechen. Mir fiel mein Fluchen von unserer Karawankenfahrt wieder ein. Kotz! Oben angekommen schaute ich mir n paar Murmeltiere an, ihr quieken war nicht zu überhören. Bloß weg hier .. zu viel Verkehr.

Hoch zum Pordoipass (2239m) 12:00 Uhr noch mehr Verkehr auch noch Busse dabei. Jetzt regnet es auch noch. Och Menno. Wir bestellten uns 2 doppelte, Espresso, natürlich. Die schmeckten unter aller Kanone. Ein Reisebus lud Rentner aus und die kümmerten sich erstmal um ihre Rollatoren.

Wir peilten den Falzaregopass Pass (2105m) an. 13:10 Uhr 18°. Ich fotografierte neue Bastelmotive. Ein Propeller angetriebenes Modellstück für den Garten überflog uns. Es wird sonnig.

 

Weiter zum Passo Giau (2236m). Der Regen fällt nach oben J , das heißt es ist trocken und 14:00 Uhr und 12° warm. 108km seit Klausen heute. Weiter über den Staulanzapass (1773m) 22° 14:50 Uhr und 130km seit Klausen und absolut kein Verkehr. Richtung Dont ein Kehrengewusel ohne Kehren Nummern mit den meisten Höhenmeternunterschied bisher. Traumhaft!!! Ist der Passo Duran offen? Ein Verkehrsschild lässt und böses Ahnen. Wir haben Glück. Jede 2.te Stunde wird er mal für Reparaturarbeiten geschlossen. Wir kamen durch. Bei Benjamino (Rifugio S.Sebastiono – Fam. Cordella) auf dem Passo Duran (1605m) das vorletzte Hotelkaffee vor der Anhöhe, das auch von der Motorrad-Illustrierte für 2018 geehrt wurde, waren erstmal 2 doppelte fällig. Eine Packung Keks waren auch noch drin und das für 6,50 €. Benjamino erzählte uns viel und fragte was Asphaltpiraten seien. Cappo erklärte es ihm: „Piraten sind Räuber und Asphalt ist der Belag auf der Straße. Wir sind Kurvenräuber. Das gefiel ihm und wir mussten uns auf seiner Tür verewigen.

Wir fuhren weiter auf den Passo forcella Aurine (1299m), es war mittlerweile 16:40 Uhr und 20° warm. Der Weg dorthin war mit tollen Kurven und schönen Aussichten und wenig Verkehr bestückt. So kann es weitergehen.

Nächster Pass: Passo Cereda (1369m) 17:10 Uhr. Hier haben wir einen Asphaltpiratenaufkleber von 2003 gefunden und einen aktuellen gleich darunter gesetzt. Die Aussicht auf die Berge von hier oben ist Top. Weiter zum Passo Rolle (1984m). Es ist mittlerweile 17:55 Uhr. 14° warm und er Berg auf oder Berg runter Top zu fahren. Die Aussichten unbeschreiblich. Bei Verkehr ist hier überholen recht einfach. Findet hier in der Ecke eine Oldtimer Rally statt? Viele „alte“ Autos aus den 60er und 70er Jahren hier. Sie sind schön anzusehen und sofort auch aus der Ferne zu identifizieren. Als nächstes haben wir den Passo Valles (2032m) auf dem Schirm. 18:20 Uhr ist es als wir oben waren.. 12°. Ein Kurvenwedeln ohne Ende hierauf. Es ist klar und die Aussicht hier oben ist sowas von zu genießen.

Die letzten 3 Pässe … wir waren fast alleine unterwegs. Wenn ich da an Heute Morgen denke. Wir haben uns kurz vor diesen Urlaub neue Vorderreifen aufziehen lassen. Die Gummistacheln (Angstnippel) stachen uns ins Auge. Jetzt sind sie weg. Ratzekahl abrasiert. „Lass und den San Pellegrino auch noch mitnehmen.“, sagte Cappo. „Was soll ich dagegen haben? Aufi Burli!“,sagte ich. Passo Pellegrino (1918m): 18:50 Uhr 17° und sonnig. Der Fluss Pellegrino lädt zum Wasserfassen ein wie damals. Allerdings in eine Mitbewerberflasche. Macht nix. Der Weg hierauf hatte stellenweise 24% Steigung. 15% waren wir ja auf vielen Auffahrten gewöhnt, einmal sogar 35%. Aber dieses war schon fast Arbeit - schöne Arbeit. Besonders am Pellegrino ist noch, dass der Pass von der eine Seite kleine Straßen und Kehren mit riesigem Anstieg hat und von der anderen Seite eine ehr schnöde bustaugliche Auffahrt bietet.

Der nächste Halt sollte wieder das Sella Joch (2240m) sein. Es war nass aber nicht am Regnen. 2 Radfahrer unterwegs. Mehr nicht. Es war kalt und von dieser Seite her fuhren wir direkt auf die Steilwand zu. Respekteinflößend kann ich nur sagen und mir blieb fast der Mund offen stehen. Es blieb auch nass bis St. Ulrich und über die Schönfahrstrecke über Albions ging es heimwärts nach Klausen. Klar, dass die Küche geschlossen hatte. Die Pizza hier schmeckt immer noch allemal und wir verdrückten jeder 1 1/² Stück.

„Das waren heute 357km mit 17km Unterschied. Keine Km will ich davon missen.“ sagte ich. Cappo nickte zustimmend, er hatte den Mund voll.

Tag 9: 01.06.2018 (335 km)

Paul kam um die Ecke und fragte: „Wo geht’s morgen hin?“ „Wissen wir noch nicht so richtig. Wir haben nur etwas über nen halben Tag Zeit.“,  antworteten fast im Chor. „Morgen Nachmittag wollen wir die Moppeds aufn Trailer packen, Probefahrt machen, Spezialitäten für zu Hause einkaufen usw.“, sagte Cappo zu ihm.Da hätte ich vielleicht n Tipp für euch. Fahrt doch die Kaiserjägerstraße. Ne halbe Stunde auf der Autobahn und ihr seids fast doa. Ist in der Nähe vom Caldonazzo See.“
„Uuiii…. Da hab ich schon viel von gelesen. Stimmt ja. Irgendwo zwischen Gardasee und hier.“, sagte ich. Er erklärte uns auf der Karte wo sie ist. „Auffi…. Lets get ready to rumbleeeeeee….“ Martin besuchen, Tanken, ab über unsere „zum Rittenweg“ nach Bozen Nord.

Ein Rollerunfall direkt vor unserer Tankstelle verhinderte die Weiterfahrt. Vollsperrung in beiden Richtungen. Wir schafften es dennoch vorbei zukommen und über unseren „zum Rittenweg“ nach Bozen Nord. Von oben herab sahen wir den Kilometerlangen Stau auf der Autobahn zum Brenner. LKWs links standen komplett und die PKWS rechts im Kriechgang hoch. Selbst auf der Eissacktaler Straße war zähfliesender Verkehr in beiden Richtungen. Nur wir hier oben im Kühlen bei bester Aussicht.

Auf der Autobahn nach Trento Nord. Es waren die längsten 45km seit langem. Ungewohnt nach 8 Tage Pässebolzen. Am Lago di Caldonazzo erstmal 2 doppelte für uns. Dann über Lavarone – kleine Pause am Lago Lavarone, am Malga Laghetto weiter hin zur Kaiserjägerstraße. Erst die SS349 und dann auf die SS133.
Juppii… vor jeder Kurve ist hupen erlaubt und wichtig. Die Straße ist schmal wie ein Auto. Die Kehren und Kurven eng und unübersichtlich. Wer hier heizt hat nen Lattenschuss. Schwierigkeitsgrad 5 von 6 würde ich sagen. An einem Aussichtpunkt mussten wir das Panorama erst einmal genießen. „Also ich bin der Meinung das wir einen unserer nächsten Motorradurlaube mal in diesem Gebiet verbringen.“, sagte Cappo an diesen Stopp. „Nix dagegen“,konnte ich nur zustimmen.

Wir pulten uns durch  Levico Therme der Sp11 entlang nach Compet. Die SP12 Richtung Pergine ist gesperrt und hinter uns zog ein Gewitter auf. Ein anderer Motorradfahrer der aus Deutschland kommt und sich hier auskennt sagte: „Da runter ist es schon seit Jahren gesperrt. Das sind nur ganz kleine Straßen. Vielleicht geht’s ja…“ Wir riskieren die Sperrung. Es ging, mit einer noch kleineren Straße (SP8 – SP224)durch einen Wald der mit „Baum-Frauen und Männchen“ geschmückt war. Cappo erinnerte sich wo wir so etwas schon mal gesehen haben. Ich habe es vergessen zu notieren. (Anmerkung von Cappo: Passo Vivione, „Gaaanz für uns allein“)

Ich bin ja heute das erste Mal mit meiner „Sonntagsnachmittagsausgehhose“ (ob es dieses Wort wohl im Duden gibt?)  unterwegs und es ist ein gemütlicheres und bequemeres fahren als in der Motorradjeans mit all den Protektoren.
Mal sehen was es neues auf n Markt gibt. Cappo hat schon ein neues Modell, sitzt gut und scheint auch saubequem zu sein.

Wir peilen den Passo Redebus (1455m) an. Es ist 15:20 Uhr. Die Weiterfahrt zur Autobahn über Montesover, Sover, Piscine, Molina und der SS12 endet schier in einer Katastrophe bis Auer. So viele Moppeds, LKW und Radfahrer. Hölle, Hölle, Hölle und es wurde dazu noch nass. Irgendwie hatte ich keinen Bock mehr. In Auer fuhr die ganze Moppedherde auf eine Tankstelle und wir hatten freie Fahrt. Mein Tank war auch kurz vor Reserve aber den Sch…. verkniff ich mir. Wir tankten auf der Autobahn jeder 10 Liter für sage und schreibe 2,02€/L. Das war mir in diesem Moment aber sowas von egal und ich musste kurz vorher auf Reserve umschalten. Auch egal.

Um 18:00Uhr waren wir endlich wieder  zurück. Wir kauften ein, verluden die Moppeds, machten ne Probefahrt ob alles hält und gingen nach dem Essen ins Bett – todmüde. „War eigentlich wieder ein schöner Tag, bis auf die letzten 3 Stunden.“, sagte Cappo. Und eigentlich hat er Recht.

Tag 10: 02.06.2018 (802 km)

Aufstehen, Duschen, Frühstücken und das alles 1 Std früher als sonst.
Ein riesiger Abschied von Klaus, Hanni, und Edith. Paul und Albert hatten wir am vorherigen Abend schon verabschiedet. „Wir kommen wieder - Garantiert.“, waren unsere letzten Worte.

Um die Autobahnfahrt nicht allzu Langweilig werden zu lassen konfrontierte ich Cappo mit ZDF.

Zahlen, Daten, Fakten:

Meine XJ hat 2210km abgespult.
Deine GPZ hat 2112km abgespult.
Ich habe 98,09 Liter verblasen
Du hast  94,20 Liter durchgepustet
Öl hat keiner von uns gebraucht
8 Liter Apfelsaft und 10 Liter Mineralwasser haben wir geschluckt – nur auf den Touren

Jochs: IIIII I
Pässe: IIIII IIII IIII II
Sattel: I
Täler: IIIII  IIII  II

Highlights:

Mölten, Hafling ,Terlan
Kaiserjägerstr.
Dolomitenfenster
Passcombo- Duran etc.
Klosterwandertag
Wieder alte Aufkleber gefunden von 2001
Knödel an der Edelweißspitze
Regen, der uns nicht erreicht hat
Raintal, Bar und die Sonnenstraße

Übrigens: Außenspiegel fanden wir auf dem Rückweg keine. Dafür hat die Achse vom Anhänger ganz den Geist aufgegeben und wir durften auf einem Autobahnparkplatz den Achsschenkel komplett demontieren...


Die Fotos: